Seit 1871 - die Geschichte des Roemers
Auszug aus einer Festrede von Franz Büdinger anlässlich der Wiedereröffnung des Hotels am 18. August 1995:
Der "Roemer" ist seit seiner Errichtung im Jahre 1871 eng mit der Geschichte der Stadt Merzig verbunden. Das Haus wurde durch die Eheleute Peter Hartfuss und Anna Maria geb. Weiten gebaut und hieß ursprünglich "Hotel Bellevue". Nach der Jahrhundertwende wurde es verkauft; der neue Besitzer Bäckermeister Roemer, nannte es von nun an "Hotel Roemer".
Kurze Zeit später wollte die Witwe Hartfuss den Verkauf wieder rückgängig machen und bot Herrn Roemer für den Rückkauf mehr Geld an, als sie von diesem beim Kauf erhalten hatte. Der Rückkauf kam jedoch nicht zustande.
Die Witwe Anna-Maria Hartfuss baute dann ein Hotel-Restaurant auf der anderen Seite der Schankstraße (Haus Nr. 1) neben der Hl. Kreuz Kapelle.
Kurz nach Fertigstellung des Hauses wurde hierzu jedoch die Konzession mit der Begründung verweigert, dass für ein weiteres Hotel-Restaurant "kein örtliches Bedürfnis bestehe". Aus dem - noch heute - stolzen Gebäude wurde ein Wohnhaus.
Magda Roemer, eine Tochter des Vorbesitzers, führte das Hotel Roemer bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges im September 1939. Kurze Zeit später, im Jahre 1940, verkaufte sie das Anwesen an Nikolaus Barth.
Während des Krieges und danach beherbergte das Haus Flüchtlinge. Erst 1948 konnte Herr Barth mit dem Um- und Erweiterungsbau des Hauses beginnen. Die Wiedereröffnung des "Hotel zum Roemer" erfolgte dann im Herbst 1950.
1955 übernahm Karl Barth den Betrieb von seinem Vater. Er heiratete Annemarie Hartfuss, eine Urenkelin von Peter Hartfuss. So wurde diese nunmehr Miteigentümerin des Hauses ihres Urgroßvaters, des Erbauers von 1871.
Bis 1967 führten Karl Barth und seine Frau Annemarie das "Hotel zum Roemer". Die Familie trennte sich dann von dem Betrieb, der 1970 an die Bierbrauerei Becker (St. Ingbert) überging. Nach einer kurzen Übergangsphase leitete Arno Rychtr den "Roemer" erfolgreich.
Der zeitlich letzte Wechsel fand 1994 statt: Gisbert Eisenbarth und Walter Koster übernahmen das Haus. In zehnmonatiger Bauzeit wurde das Gebäude unter der Leitung des Architekten Mohr aus Merzig bis auf die Außenmauern abgetragen und vollständig renoviert. Für die Gestaltung im Innenbereich war Manfred Weber zuständig. Im August 1995 fand die Wiedereröffnung statt.
Bei der Eröffnungsfeier im August 1995 in Anwesenheit von Landrat Michael Kreiselmeyer, Oberbürgermeister Dr. Alfons Lauer, sowie Vertretern der Villeroy & Boch AG und den am Umbau beteiligten Firmen und Handwerkern hielt der Leiter des Werkarchivs von Villeroy & Boch, Franz Büdinger, die Festrede.
Büdinger, der sich als Heimatforscher in Merzig einen Namen gemacht hat, konnte den Gästen einiges über den Roemer berichten und zeigte hierbei gleichzeitig die Verbindungen zur Merziger Keramiktradition auf. Wir zitieren hier aus seiner Festrede:
„… Dass es aber nicht nur ein gutes, sondern auch ein außergewöhnliches Hotel werden sollte, hat seine besondere Geschichte. Diese begann - wie so vieles - eher zufällig- anlässlich einer Maßnahme der Christlichen Erwachsenenbildung Merzig in Bischofswerda bei Dresden. Hier saßen zu vorgerückter Stunde einer der neuen Hotelbesitzer, Gisbert Eisenbarth, mit mir an der Hotelbar. Man unterhielt sich, kam von einem Thema zum anderen und landete schließlich beim Hotel Roemer, dessen Umbau bevorstand.
Und hier wurde die Idee geboren, die Merziger Hotel-Tradition des Hauses Roemer mit der Merziger Keramik-Tradition und der Stadtgeschichte zu verknüpfen. In der Dresdener Hotelbar entstand also die Terrakotta-Stube und die weitere beachtenswerte Ausstattung mit keramischen Objekten im Hotel Roemer!
Nach der Idee kam die Planung, mit der Planung die Arbeit. Bei einem Gespräch mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden von Villeroy & Boch, der Leiterin des Keramikmuseums "Schloß Ziegelberg" in Mettlach, Frau Esther Schneider, und mir erhielt das Projekt "Terrakotta-Stube" im Hotel Roemer sowie die Präsentation Merziger Keramik-Tradition grünes Licht.
Das Ergebnis des Zusammenwirkens der Beteiligten war eine einmalige Möglichkeit, eindrucksvoll wertvolle und schöne Exponate des Museums als Leihgabe zu präsentieren.
Auch Dokumente, seltene Fotos aus dem Firmenarchiv und andere Archivalien konnten so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Wer sich in den Räumen des Hauses umschaut, entdeckt viele Kostbarkeiten, die nunmehr das Ambiente des "neuen Roemer" ausmachen.
Und zu vielen der zur Schau gestellten oder in das Gebäude integrierten Originalstücke (Beispiel: 100 Jahre alte Bodenfliesen vor der Rezeption, aber auch Vasen, Krüge, Säulen, Skulpturen, Wandteller) sind Geschichten zu erzählen.
So z. B. zu einer Terrakotta-Figur aus der Fabrik von Villeroy & Boch Merzig von 1880. Sie stellte einen segnenden Christus dar und wurde von dem bekannten dänischen Künstler Bertel Thorwaldsen (1760-1844) 1820 geschaffen (das überlebensgroße Original befindet sich in der Frauenkirche in Kopenhagen). Der segnende Christus wurde immer aus Anlass der früheren Fronleichnamprozessionen an einem Fenster des Obergeschosses des Roemer so postiert, dass er seine segnenden Hände über die liturgische Feier am Fronleichnamsaltar streckte, der an der gegenüberliegenden Heilligenkreuzkapelle mit viel Blumenschmuck aufgebaut war. Diese Tradition währte bis einige Jahre nach dem II. Weltkrieg.
Die Figur, nach langen Jahren ohne Unterarme und Hände und auf dem Speicher neu entdeckt, erhielt ich von den neuen Bauherren als Terrakotta-Fan geschenkt.
Nach langer und sorgfältiger Grundsanierung wurde die Figur von Herrn Dipl. Bildhauer Andreas Kutsche, einem Mitarbeiter von Villeroy & Boch, restauriert, Unterarme und Hände aus keramischem Material erstanden neu. Ich gab die Figur aber gerne dorthin zurück, wo sie meiner Meinung nach auch hingehört: in den Roemer! In der oberen Etage hat sie nunmehr in einer beleuchteten Nische einen Ehrenplatz.
So sind die ausgestellten Stücke nicht nur Beweise der Kunst des Unternehmens Villeroy & Boch, sondern auch Zeugnisse der Leistung der Menschen, die sie schufen, der Merziger Keramiker von Vor-Vorgestern.
Die reiche Bebilderung mit Fotos aus dem Werkarchiv von Villeroy & Boch in Merzig sowie dem Privatarchiv Büdinger zeigt das Haus in seiner 125-jährigen Geschichte und gewährt gleichzeitig einen Einblick in die Merziger Terrakotta-Produktion.
Auch das am 15. Oktober 1899 eingeweihte Kreiskriegerdenkmal vor dem Hotel Roemer ist mit vielen Fotos, insbesondere vom Einweihungstag, vertreten.
Der metallene Krieger wurde bereits 1915 demontiert, das Metall wurde kriegsbedingt anderweitig benötigt.
Der Sockel aus Terrakotta in der Merziger Terrakotta-Fabrik von Villeroy & Boch gefertigt, ist heute Bestandteil eines Denkmales auf dem Jüdischen Friedhof in Merzig."
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Die Sanierung von 1994/1995
Den vorstehenden Text entnahen wir auszugsweise dem Mitteilungsblatt "Neues aus Merzig" vom 17.04.1996:
Eine Dokumentation der zehnmonatigen Renovierungsarbeiten.
Das Hotel Roemer an der Straßenbiegung Schankstraße/Bahnhofstraße gelegen, setzt einen wichtigen städtebaulichen Akzent innerhalb der Kernstadt. Wer sich aus Richtung Süden der Stadt nähert, wird unweigerlich seinen Blick auf das Gebäude richten, da es den Mittelpunkt eines historischen Ensembles bildet und seine Fassade sich zunächst frontal dem Betrachter zeigt.
Diese ist fünf Fensterachsen breit, besitzt drei Geschosse und schließt mit einem Gesims ab. Die klassizisierenden Fensterrahmen aus Sandstein weisen eine hierarchische Gliederung auf. Das erste Obergeschoss ist mittels eines durchgehenden Sohlbankgesims besonders betont, das obere Stockwerk zeigt dagegen einfachere Rahmungen.
Der dennoch einheitliche Eindruck wird in den Seitenachsen aufgehoben. Die Giebelseiten besitzen nur zwei äußere Fensterachsen und als oberen mittleren Abschluss je ein Zwillingsfenster mit Rundbogen.
Den Eingangsbereich des Hotels, zur Schankstraße hin, bildet ein zweiachsiger, ursprünglich zweigeschossiger Anbau mit einer ebenfalls klassizisierend gerahmten Tür. Der nördlich, im rechten Winkel errichtete Gebäudeteil, ist von einfacher Gestalt.
... 1940 stellte der damalige Besitzer Nikolaus Barth einen Antrag für ein Um- und Erweiterungsverfahren, dem Auflagen seitens der Baubehörden gemacht wurden, da das Hotel an einer Reichsstraße gelegen sei. Dieses Vorhaben wurde jedoch aufgrund des Krieges oder wahrscheinlicher Kriegsbeschädigungen nicht ausgeführt.
Instandsetzungsarbeiten sind für das Jahr 1942 dokumentiert.
Die Planzeichnung des Architekten Nobis aus Saarbrücken weist strenge, klare Formzüge auf. Die westliche Seitenansicht lässt eine heroisierende Nischenskulptur erkennen: einen römischen Krieger, Vorbild für die nationalsozialistischen Streiter. Doch freuen wir uns, dass das Gebäude in seinem Originalzustand nahezu erhalten blieb.
Die Sanierungsarbeiten, die kürzlich beendet wurden, haben geringfügige Änderungen mit sich gezogen.
Der Grundriss blieb unverändert. Die südliche Fassage besitzt jetzt ein quereckiges Dachhaus mit Dreiecksgiebel. Der westliche Eingang ist um ein Geschoss aufgestockt und ebenfalls mit einem Dreiecksgiebel versehen worden. Der nördliche Winkelbau wurde um ein halbes Geschoss aufgestockt und besitzt jetzt Zwerchhäuser.
Obwohl das Hotel "Roemer" nicht unter Denkmalschutz steht, haben sich die jetzigen Besitzer und der Architekt Otmar Mohr aus Merzig bemüht, stilgerecht zu sanieren und das Hinzugefügte an das Vorhandene anzupassen. Die Sandsteingewände sind, trotz schlechtem Zustand, erhalten worden, und die ergänzenden Giebel sollen als Anlehnung an die Satteldächer verstanden werden."
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